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Auswertung der GdS-Mitgliederbefragung zum mobilen Arbeiten

Home-Office nicht um jeden Preis!

Um die Erfahrungen und Bedürfnisse der Beschäftigten in der Sozialversicherung zu bündeln und im geplanten Gesetzesvorhaben einbringen zu können, hat die GdS im September 2020 eine Mitgliederbefragung zum Thema Home-Office durchgeführt. „Flexibel arbeiten ja, aber nicht um jeden Preis!“ – diese Kernaussage lässt sich aus den Antworten der GdS-Mitglieder herauslesen.

Mobil und flexibel – so wurde die Arbeitswelt schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie beschrieben. Schließlich gilt es heutzutage als überholt, dass der erste Arbeitsplatz und Arbeitsort auch der letzte sein wird.

Mobiles Arbeiten im eigentlichen Sinn fand bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie aber überwiegend dort statt, wo Kundenbesuche absolviert wurden. Gerade einmal rund drei Prozent der Beschäftigten arbeiteten deutschlandweit im Home-Office und damit an einem Ort im privaten Umfeld. Corona hat dies schlagartig verändert und die Diskussion um die Arbeit von zu Hause belebt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil plant nun, ein Recht auf Home-Office in gesetzliche Bahnen zu lenken.

Aus ihrer Beratungspraxis weiß die GdS um die Vorzüge von Home-Office-Vereinbarungen, erfährt aber auch von vielseitiger Kritik und praktischen Umsetzungsschwierigkeiten im Einzelfall. So hat die GdS die Möglichkeit des flexiblen Arbeitens bereits weit vor der Corona-Pandemie unter dem Aspekt „Prävention“ beleuchtet und in ihre Tarifarbeit einfließen lassen. Schließlich darf im Zuge des digitalen Fortschritts der Mensch nicht auf der Strecke bleiben. Es geht eben nicht allein um die Bewältigung von Arbeit – gerade auch bei mobiler Arbeit muss Arbeits- und Gesundheitsschutz eine Selbstverständlichkeit sein.

Differenzierte Wünsche

Insgesamt ergibt die Auswertung der Mitgliederbefragung, dass die meisten Beschäftigten auch zukünftig gerne von zu Hause aus arbeiten würden. Nahezu zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) hat bereits am heimischen Schreibtisch gearbeitet. Drei Viertel der Befragten, die vor der Krise nicht von zu Hause aus arbeiten konnten, möchten diese Arbeitsform zumindest teilweise auch in Zukunft beibehalten.

Nach dem Ende der Pandemie wünscht sich mehr als ein Drittel der Befragten zwei bis vier Arbeitstage pro Woche in der häuslichen Umgebung – dies entspricht alternierender Telearbeit, also einem Arbeiten teils von zu Hause, teils beim Arbeitgeber im Büro (mehr Informationen zu den unterschiedlichen Arbeitsformen auf der Startseite des GdS-Internetauftrittes unter „www.gds.de“).

Ein bis zwei Arbeitstage zu Hause hält mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent) für ausreichend, lediglich 13 Prozent möchten ihre Arbeit vollumfänglich aus dem privaten Umfeld, also im Home-Office ausführen. Aber nicht jede(r) ist fürs Arbeiten daheim geeignet – rund zehn Prozent der Befragten haben sich gegen einen Home-Office-Platz ausgesprochen bzw. möchten nur bei Bedarf in den eigenen vier Wänden tätig sein.

Der Wunsch nach Arbeit im Home-Office wächst mit der täglichen Fahrzeit ins Büro. Da das Pendeln entfällt, ist der Faktor Zeitgewinn einer der wichtigsten Gründe, künftig auch von zu Hause arbeiten zu wollen. Aber auch die Produktivität in den eigenen vier Wänden haben die Befragten als wichtigen Vorteil benannt, dicht gefolgt von mehr Flexibilität im Privatleben und bei der Betreuung der Familie als positiver Erfahrung.

Kommunikationsdefizite

Während des Lockdowns hat die Verlagerung der Arbeit nach Hause der Mehrheit der Befragten sehr geholfen. Der plötzliche Wechsel in die eigenen vier Wände brachte aber auch eine Reihe beträchtlicher Herausforderungen mit sich.

Wenig überraschend ist der meistgenannte Nachteil: das Fehlen sozialer Kontakte, ein Gefühl von Isolation und das Abgeschnittensein von Informationsflüssen. Über 45 Prozent der Befragten empfand die fehlende Zeit mit den Kolleginnen und Kollegen sowie die mangelnde Möglichkeit, sich in einem sozialen Umfeld zu bewegen, als die größte Herausforderung bei der Arbeit zu Hause.

Zwar hat der Austausch untereinander oft in digitaler Form (etwa Videokonferenzen) stattgefunden, aber Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation – wer zu Hause arbeitet, dem fehlen soziale Kontakte wie der persönliche und spontane Austausch im Team oder in der Kaffee-Ecke. Tatsächlich wird in diesen Gesprächen im Büro viel geklärt, neue Ideen gefunden und nicht zuletzt Probleme gelöst.

Im Gegensatz dazu hat die Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und Beschäftigten nach Angaben der Befragten erstaunlich gut funktioniert. Lediglich 17 Prozent empfanden die Kommunikation mit dem Arbeitgeber in der Corona-Krise als schwierig.

Technische Probleme

In ähnlichem Umfang wie das Fehlen sozialer Kontakte haben auch technische Schwierigkeiten den Alltag im oftmals improvisierten Home-Office geprägt. Durch die unerwartete und andauernde Verlagerung des Büroarbeitsplatzes nach Hause fehlte bei fast jedem Zweiten das richtige technische Equipment, beispielsweise ein eingerichteter Drucker, Bildschirm oder Monitor sowie Telefonanlage und Faxgerät.

Vielfach wurde mit Privatgeräten gearbeitet – daher ist es nicht verwunderlich, dass rund 20 Prozent der Befragten die Kommunikation mit Versicherten und Kunden als problematisch empfanden. Weiter bemängelten die Befragten die Bereitstellung von geeigneten Büromöbeln und -material. Eine derart mangelhafte Arbeitsausstattung ist arbeitsrechtlich auf keinen Fall vertretbar, ebenso wenig beim Datenschutz – sowohl die Beschäftigten als auch die Sozialdaten sind durch geeignete Maßnahmen zu schützen.

Bei 66 Prozent der Befragten entsprach das heimische Büro nach eigener Einschätzung zwar weitestgehend den arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen, allerdings gaben knapp ein Fünftel der Befragten an, sich mit dem Thema Arbeitsschutz nicht auseinandergesetzt zu haben. Ein ähnlicher Prozentsatz bemängelte, dass der Arbeitsplatz nicht den rechtlichen Anforderungen entsprach.

Arbeitsschutzmängel

Auch wenn die aktuelle Corona-Pandemie die Arbeitgeber gewissermaßen dazu gezwungen hat, ihre Beschäftigten zur Arbeit nach Hause zu schicken, gelten auch für den Arbeitsplatz in häuslicher Umgebung sämtliche Arbeitsschutzvorschriften wie beim klassischen Büroarbeitsplatz, insbesondere das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).

Gemäß § 3 ArbSchG müssen Arbeitgeber grundsätzlich für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten sorgen. Im Vordergrund stehen die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes gemäß § 5 ArbSchG und die Unterweisung der Arbeitnehmer nach § 12 ArbSchG. Hier kommen etwa Hinweise zu Bildschirmarbeit und Beleuchtung sowie Maßgaben zur Ergonomie eines Arbeitsplatzes in Betracht.
Natürlich greift für den Arbeitsplatz in der häuslichen Umgebung das Arbeitszeitgesetz – auch zu Hause müssen Beschäftigte die Höchstarbeitszeit sowie die Ruhepausen und Ruhezeiten einhalten. Soweit Beschäftigte ihre Tätigkeit zeitweise im Büro ausüben, gelten dort selbstverständlich die bisherigen Regelungen für die Arbeitserbringung in der Dienststelle.

Selbstdisziplin gefordert

Durch die Erledigung der Arbeit zu Hause wird den Beschäftigten ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Selbstorganisation abverlangt, was von 23 Prozent der Befragten als erhebliche Herausforderung wahrgenommen wurde. Grund hierfür ist der Umstand, dass die Fähigkeit, sich selbst zu organisieren und zu disziplinieren, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Zu Hause verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Privatleben bei den Betroffenen häufig viel stärker als bei Beschäftigten, die ihren Büroarbeitsplatz zu einer festen Uhrzeit verlassen, um sich dann Familie und Freizeit zu widmen. Vor allem diese Faktoren haben dazu geführt, dass 17 Prozent der Befragten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf während der Corona-bedingten Arbeitsverlagerung nach Hause als negativ empfanden.

Alles in allem bedeutet das Ergebnis der Mitgliederbefragung keine Überraschung. Bereits vor der Krise hat weit über die Hälfte der Befragten einen Teil der Arbeit von zu Hause aus erbracht. Die Übrigen wünschen sich in der Mehrzahl ebenfalls die Möglichkeit, auch zu Hause arbeiten zu können.

Einige Negativfaktoren

Besonders kritisch ist der Umstand, dass viele der Befragten die Ausstattung des Home-Office-Arbeitsplatzes bemängelten. Es fehlte nicht nur an technischer Ausrüstung, sondern auch das Mobiliar entsprach nicht den notwendigen ergonomischen Anforderungen. Arbeitgeber haben – und das auf eigene Kosten – auch den Home-Office-Arbeitsplatz so einzurichten, dass er den Bestimmungen des Arbeits- und Datenschutzes entspricht. Nur dann, wenn das Arbeiten in den vier Wänden unkompliziert und reibungslos funktioniert, bietet es einen Mehrwert – und zwar für alle Beteiligten.

Ebenso muss auf Betriebsebene an der internen Kommunikation gearbeitet werden. Team-Meetings und -besprechungen können und sollten auch wie gewohnt fortgeführt werden – wenn nicht im direkten Kontakt, dann eben online. Andernfalls kommt der fachliche und persönliche Austausch zu kurz.

Außerdem ist deutlich geworden, dass die Zufriedenheit im Beruf entscheidend vom zwischenmenschlichen Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen abhängt. Fehlende psychische Nähe im Home-Office kann die tägliche Arbeitsroutine sowohl individuell als auch im Team beeinträchtigen. Aber auch klare Verhaltensregeln – zum Beispiel zur Erreichbarkeit und Zeiten des ungestörten Arbeitens – sind zwingend erforderlich.

Produktivitätssteigerung

Positiv zu bewerten ist, dass die Mehrzahl der Befragten am häuslichen Arbeitsplatz eine Steigerung ihrer Produktivität wahrgenommen hat. Dies wird die Arbeitgeber freuen! Sie müssen aber auch die Kehrseite der Medaille im Blick behalten und notfalls einschreiten. Durch die verschwimmenden Grenzen von Arbeit und Privatleben besteht ein erhöhtes Risiko für Mehrarbeit – hier hat der Arbeitgeber für eine klare Trennung zwischen beiden Lebensbereichen zu sorgen.

Die GdS begrüßt daher, dass in den meisten Unternehmen alternierende Telearbeit die vorherrschende Variante der Telearbeit ist. Einer völligen Loslösung vom Betrieb erteilt die GdS eine klare Absage! Um Chancengerechtigkeit auf Tarifebene zu gewährleisten, sollten die Manteltarifverträge dahingehend überarbeitet werden, dass sie für alle Arbeitsmodelle Rahmenbedingungen definieren. Die Arbeitgeber sind herzlich eingeladen, sich dazu mit der GdS an den Tariftisch zu setzen.

Die GdS dankt allen Mitgliedern, die an der Befragung zum mobilen Arbeiten teilgenommen haben! Damit konnten weit mehr Stimmen ausgewertet werden, als mancher Studie aus dem Jahr 2019 zugrunde lagen. Auch hier gilt: „Wir kommt weiter“.

 

Artikel aus dem GdS-Magazin zum Download als PDF-Datei:

Mitgliederbefragung zum mobilen Arbeiten - Home-Office nicht um jeden Preis! (PDF aus GdS-Magazin Heft 9/10-2020)

 

 

 


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